Donnerstag, 09.07.2020 09:36 Uhr

Deutsche Lufthansa durch Corona Pandemie in Turbulenzen

Verantwortlicher Autor: Dennis Deis Frankfurt/Main, 11.05.2020, 16:03 Uhr
Presse-Ressort von: Dennis Deis Bericht 6991x gelesen
Geparkte Lufthansa Maschinen auf der gesperrten Landebahn Nordwest
Geparkte Lufthansa Maschinen auf der gesperrten Landebahn Nordwest  Bild: Dennis Deis

Frankfurt/Main [ENA] Nachdem die Corona Pandemie die Welt im Griff hat, steht auch die (Passagier-) Luftfahrt weltweit weitgehend still. Lediglich der Frachtverkehr boomt wie nie zuvor. Die Auswirkungen zwingen nun auch die Deutsche Lufthansa mehr und mehr in die Knie. Die Hauptversammlung brachte Klarheiten.

Doch zuerst ein Blick zurück: Nach Ausbruch der Pandemie und umfassenden Einreise- und Reiseverboten galt es, weltweit gestrandete deutsche Urlauber und Reisende in ihre Heimat zurück zu befördern. So wurden von Mitte März bis Mitte April in einer beispiellosen Rückholaktion über 90.000 Menschen durch Airlines der Lufthansa Group in ihre Heimatländer zurückgeflogen. Diese sogenannten Repratriierungsprogramme der jeweiligen Regierungen wurden durch Air Dolomiti, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Edelweiss, Eurowings, Lufthansa und SWISS mit der Bereitstellung von Rückholflügen unterstützt.

Bis zum Ende April starteten 448 Sonderflüge von 106 Flughäfen weltweit in Richtung Europa, um den Staatsbürgern der diversen Länder einen sicheren Hafen zu bieten. Im Rahmen dieser einzigartigen Rückholaktion wurden viele seit Jahren nicht mehr angesteuerte Ziele angeflogen, wofür durch die Flugplaner der Airlines ganze Arbeit geleistet wurde. Unter den Destinationen befanden sich bespielsweise Santiago de Chile oder Christchurch oder Auckland in Neuseeland. Auch Australien wurde in für die Crews kräftezehrenden sogenannten Umläufen mehrmals angeflogen. Als zunächst letzter Repratriierungsflug landete am 20. April ein Lufthansa Jumbo aus dem peruanischen Lima kommend in Frankfurt.

Langstreckenflieger der Lufthansa bewegen sich zur Zeit lediglich am Boden (Bild: Dennis Deis)

Lufthansa und Eurowings haben im Auftrag des Auswärtigen Amtes über 34.000 Deutsche und EU-Bürger von ihren teils abgelegenen weltweit verstreuten Urlaubs- und Aufenthaltsorten zurück nach Deutschland befördert. Teils waren auf den Hinflügen auch Passagiere des Ziellandes mit an Bord. Auf anderen Flügen ruhten die Crews in den Kabinen der Langstreckenflugzeuge, um am Zielort angekommen direkt im Dienste der Rückkehrer den strapaziösen Rückflug anzutreten. Hierfür fanden sich stets eine große Anzahl freiwilliger Crewmitglieder der LH Group. Doch nicht nur für die Mitarbeiter an Bord war es anstregend, auch die Planer am Boden hatten schlaflose Nächte.

Allein die Anzahl der jeweils individuell geplanten Sonderflüge war schon enorm - hierfür bedurfte es dann noch einer größeren Anzahl an Sondergenehmigungen der über- und angeflogenen Länder weltweit. Durch Zeitverschiebungen und beördliche Willkür ein nicht einfaches Unterfangen. Rund 40 der Flughäfen waren keine regulären Ziele der LH Group, sodass dort Personal für die Abfertigung, Catering, Unterkunft für Cockpit- und Kabinencrew, Treibstoff und Wartung teils mit nur sehr kurzem Vorlauf bereitgestellt werden musste. Beste Unterstützung lieferten die Botschaften und diplomatischen Vertetungen vor Ort, sowie das Auswärtige Amt - teils vor dem Hintergrund lokaler Ausgangssperren, anderen Einschränkungen und teils geschlossenen Flughäfen.

Die erste virtuelle Hauptversammlung der Unternehmensgeschichte (Bild: Lufthansa)

Am 5. Mai dann stand die diesjährige Hauptversammlung der Deutschen Lufthansa an, welche erstmal virtuell durchgeführt wurde. Rund 10.000 Aktionäre verfolgten die Versammlung sodann online, womit 33,19 Prozent des Grundkapitals vertreten waren. Mit großer Mehrheit haben sie die Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates für das Geschäftsjahr 2019 entlastet. So stimmten die Anteilseigner zu, den Bilanzgewinn aus dem vergangenen Jahr in Höhe von 298 Millionen Euro vollständig zur Einstellung in andere Gewinnrücklagen zu verwenden und nicht als Dividende auszuschütten.

Gleichzeitig wählten die Aktionäre Astrid Stange (COO / AXA), Erich Clementi (Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der E.ON SE), Dr. Thomas Enders (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik) sowie Harald Krüger (Mitglied des Aufsichtsrates der Deutschen Telekom AG) in den Aufsichtsrat. Mit Ablauf der hiesigen Hauptversammlung hatten die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Martina Merz, Herbert Hainer, Michael Nilles und Matthias Wissmann ihre Mandate niedergelegt. Zudem wurde Stephan Sturm erneut in den Aufsichtsrat gewählt. Insgesamt standen zur diesjährigen Hauptversammlung neun Tagesordnungspunkte zur Abstimmung - die Aktionäre des Unternehmens stimmten allen Punkten mit breiter Mehrheit zu.

Fortlaufend verhandelt die Deutsche Lufthansa mit dem Bund über ein Stabilisierungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro zur Finanzierung der LH Group. Die Verhandlungen umfassen neben einer stillen Beteiligung einen besicherten Kredit. Die Konditionen sind Gegenstand weiterer Gespräche. Wie genau die Beteiligung des Bundes aussehen wird, muss die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass eine zu große Einflussnahme der Politik dem Konzern mehr schaden statt nutzen könnte. Der Vorstand der Deutsche Lufthansa AG setzt die Verhandlungen mit dem Ziel fort, die Zukunftsfähigkeit zum Wohle seiner Kunden und Mitarbeiter sicherzustellen. Bereits jetzt ist klar, dass bis zu 10.000 Arbeitsplätze wegfallen und etwa 100 Flugzeuge abgestossen werden sollen.

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