Mittwoch, 15.04.2026 01:01 Uhr

Arnulf Rainer im Stephansdom Wien

Verantwortlicher Autor: Schura Euller Cook Wien, 03.04.2026, 12:00 Uhr
Kommentar: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 2133x gelesen

Wien [ENA] Seit einigen Jahren ist es Tradition, dass katholische Kirchen in Österreich ab Aschermittwoch, also 40 Tage vor Ostern, Künstler*innen die Möglichkeit geben, den Innenraum der Kirchen im Sinne der Fastenzeit zu gestalten. So hat auch der Wiener Stephansdom 77 Werke des Verstorbenen österreichischen Avantgarde Künstlers Arnulf Rainer ausgestellt, einem Maler dessen Kunstauffassung oftmals polarisiert.

Dompfarrer Toni Faber stellte sich aber durchaus hinter das Ausstellungswerk, einer "Manie" von 77 bunten Kreuzen, die nun wie bunte Vögel den dunklen, düsteren Altarraum und leidenden Christus umflattern und mit einem Hauch von weltlicher Naivität und Leichtigkeit das schwermütige Gewölbe des Stephansdoms bespielen. Was sich so modern ausnimmt, ist trotzdem ein tiefer Kniefall vor dem Kreuz, diesem "schrecklichen" Symbol von Leid und Trauer, das so eng mit dem Christentum verbunden bleibt, auch wenn die Auferstehung und das Osterlicht gemeinsam mit der frühlingshaft blühenden Natur immer wieder aufs Neue jubilieren möchte. Dass Rainers Kreuzdarstellungen oft sakrale Namen haben, soll nicht über seine geistige Distanz dazu hinwegtäuschen.

Eine intellektuelle Distanz, die der Kirche und Religion kalt gegenüber steht und damit jede tiefempfundene brennende Hingabe für sich und seine Kunst nicht mehr leben kann und deshalb auch ausschloss. Trotzdem konnte er sich dem Symbol des Kreuzes nicht wirklich entziehen, das er fast zwanghaft immer wieder wiederholen und sich daran abarbeiten muss. Dass die Ausstellung den Titel "Das Kreuz, das Zeichen das bleibt" trägt, kuratiert von dem Rainer Experten und Priester Friedhelm Mennekes, zeigt aber auch, wie tief sich dieses erschreckend bedeutungsvolle Symbol in die Weltgeschichte eingebrannt hat und wie sehr das christliche Abendland bewusst oder unbewusst Teil dieser Geschichte ist.

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