Mittwoch, 15.04.2026 01:03 Uhr

Prägungen und Entfaltungen. R. Nesch, N. Husain, A. Umar

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Stuttgart, 22.03.2026, 11:30 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 4705x gelesen
Ausstellungsansicht: Bilder von Rolf Nesch
Ausstellungsansicht: Bilder von Rolf Nesch  Bild: Kurt Lehberger

Stuttgart [ENA] Alle drei ausgestellten Künstler*innen lassen sich über ihre individuelle Migrationserfahrungen, die sich in den dargestellten Objekten und den Aussagen ihrer Arbeiten widerspiegeln, verbinden. Die Ausstellung lässt einen Dialog über Kunst, Migration und kulturelle Identität entstehen.

Der Ausgangspunkt der Ausstellung bilden Reliefarbeiten von Rolf Nesch (1893–1975). Rolf Nesch floh vor politischer Verfolgung 1933 aus Deutschland nach Norwegen. Seine Kunstwerke lassen den Einfluss nordischer Natur, Kultur und Menschen in Norwegen erkennen. Ein Schlüsselbild für seine Kunst ist „Der Heilige Sebastian“. Das Leiden des heiligen Sebastian verkörpert für Rolf Nesch das Leid der Menschen im Krieg. Ähnlich wie das Werk „Guernica“ von Picasso wurde es zu seinem Motiv gegen den Krieg. Das Bild ist Picasso gewidmet. Bild: Der Heilige Sebastian, Entstehungsjahr: 1941–1942, Material und Technik: Materialbild.

Das Werk ist ein Metalldruck und ein Materialbild. Es werden verschiedene Metalle benutzt, die aufgeschweißt oder aufgelötet werden. Dadurch wird eine dreidimensionale Plattenoberfläche geschaffen. Das Bild besteht zudem aus farbig bemaltem Glas, Keramikstücken, Fliesen und Gestein. Das Motiv ist der römische Soldat Sebastian, der sich zum Christentum bekannte und aus diesem Grund von Bogenschützen hingerichtet wurde. Rolf Nesch erfindet die Durchätzung mit dem er besondere Effekte im Metalldruckverfahren erzielte.

1924 vertiefte er seine Kenntnisse in Druckgrafik durch einen Studienaufenthalt bei Ernst Ludwig Kirchner. Zu dem Metallbildern entstehen die Materialbilder, die jede Art von Material auf die Bildplatte hinzufügen. Die plastische Wirkung der Druckgrafik wird zur Reliefkunst. Mit seiner innovativen Druckgrafik hat Rolf Nesch einen wichtigen Platz in der Kunstgeschichte erlangt.

Das Werk der indisch-baskisch-französischen Künstlerin Nadira Husain (*1980) verbindet traditionelle Handwerkstechniken und verwendet die Materialen Textilien und Keramik. Damit erzeugt sie Objekte, die transkulturell sind. Die kulturelle Identität sucht sie als Vertreterin der postmigrantischen zweiten Generation. Es entstehen vielschichtige Bildkompositionen, die Elemente aus ihrer biographischen Migrationsgeschichte abbilden. Nach ihrem Kunststudium in Paris lebt und arbeitet Nadira Husain heute in Berlin. Ihre Themen sind Postmigration, Transkulturalität und kultureller Hybridität. Ihre Werke sind raumgreifenden Malereien und Installationen.

Die Spannweite von Nadira Husain reicht von der indopersischer Mogulmalerei, über europäischen Comicfiguren und Elementen des Sufismus. „Mit »Postmigration« bezeichne ich die Erfahrungen, die nach dem Niederlassen in einem Aufnahmeland gemacht werden, sei es von den Migrierenden selbst oder ihren Nachkommen. Dazu gehören Dynamiken der Integration, Anpassung, Spannung und Identitätsveränderungen, die aus dem Zusammenleben in mehreren kulturellen Kontexten entstehen - Reflexionen, die Prozesse wie kulturelle Anpassung, sozioökonomische Integration, generationenübergreifende Herausforderungen und die Konfrontation mit Diskriminierung und Vorurteilen umfassen.“ Nadira Husain.

Ausstellungsansicht: „Der Heilige Sebastian“, 1941–1942.
Ausstellungsansicht: "Giant" - Werke von Nadira Husain, 2024-2025
Global Bâtarde Education Serie, Rides / übersetzt: Bastard, uneheliches Kind. 2025.

Ahmed Umar (*1988) flieht vor politischer Verfolgung 2008 aus dem Sudan nach Norwegen. Er führt dort als queerer Künstler ein selbstbestimmtes Leben. Seine Kunst macht seine spirituellen und kulturellen Wurzeln sichtbar. Er studierte u.a. materialbasierte Kunst an der National Academy of the Arts in Oslo. Als queerer Künstler zeigt sein Werk die Schwierigkeiten eines Individuums zwischen traditionellen Geschlechterrollen, Religiosität und Selbstbestimmung. Das Werk „Glowing Phalanges“ - „Leuchtende Fingerknöchel“ – besteht aus 32 Objekten. Eine Hand aus Gips kommt aus der Wand und hält ein feines, gläsernes Kunstwerk, ergänzt durch glatt geschliffenes und gebogenes Edelholz.

Ausstellungsansicht: Werke von Ahmed Umar
Ausstellungsansicht: Glowing Phalanges von Ahmed Umar

Rolf Nesch . Nadira Husain . Ahmed Umar, Prägungen und Entfaltungen. 08.11.2025 - 12.04.2026 im Kunstmuseum Stuttgart. Mehr Informationen über den Link: https://www.kunstmuseum-stuttgart.de/

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